Auf dem Weg: UNESCO-Biosphärenreservat Drömling

Eine reizvolle naturnahe Kulturlandschaft mit einem stetigen Wechsel von Gräben, Äckern, Wiesen und unzähligen Baumreihen und Hecken ist der Drömling. Das 340 Quadratkilometer große und nur wenig besiedelte Gebiet an der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt durchziehen 1.725 Kilometer Wasserläufe. Kein Wunder, das es den Beinamen „Land der tausend Gräben“ bekam. Hier finden eine Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten zum Teil einen letzten Überlebensraum. Der größere sachsen-anhaltische Teil im Osten war ab 1990 ein Naturpark und ist seit 2019 ein nationales Biosphärenreservat.

Schon vor der Wende gab es Kontakte zwischen der Fördergemeinschaft Drömling im Osten und der Arbeitsgemeinschaft Drömling im Westen, die nach der Grenzöffnung schnell vertieft wurden und zur Gründung des länderübergreifenden Vereins „Aktion Drömlingschutz“ führten. 2012 wurde die gemeinsame Vision eines länderübergreifenden Biosphärenreservates aufgegriffen. Dies geschah einerseits von amtlicher Seite mit dem Bestreben, die langjährige gute Zusammenarbeit bei der Umsetzung der vielen Naturschutzmaßnahmen und vor allem des gemeinsamen Wassermanagements fortzusetzen. Nach dem Abschluss der Naturschutzgroßprojekte in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen reifte auf der Drömlingskonferenz 2013 der Gedanke, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem länder-übergreifenden Biosphärenreservat weiterzuführen und die Region durch eine UNESCO-Anerkennung bekannter zu machen.

Auf der Grundlage des gemeinsamen Kabinettsbeschlusses der beiden Landesregierungen vom März 2014 begann ein umfangreicher Diskussionsprozess mit den Kommunen und ihren politischen Vertretern sowie mit Verbänden, Vereinen und Bürgern. Im Ergebnis wurde im April 2016 das „Eckpunktepapier - Auf dem Weg zum Biosphärenreservat Drömling“ als gemeinsame Willensbekundung der Region erarbeitet. Darin sind die wesentlichen Inhalte und Ziele, die notwendigen Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und das beabsichtigte Vorgehen dargestellt und erläutert. Auf dessen Grundlage erfolgte 2016 die Abfrage der am UNESCO-Biosphärenreservat Drömling beteiligten Kommunen in beiden Bundesländern, welche bis Anfang 2017 alle ein positives Votum zur Entwicklung zum Biosphärenreservat abgaben.
In Sachsen-Anhalt leitete man im Oktober 2018 das öffentliche Beteiligungsverfahren zur Verordnung über das Biosphärenreservat Drömling Sachsen-Anhalt ein. Die 45 eingegangenen Stellungnahmen, von denen keine eine grundlegende Ablehnung des Biosphärenreservates beinhalte, wurden in der verfahrensführenden Behörde, dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt, bearbeitet. Die Verordnung wurde im Juni 2019 veröffentlicht. Außerdem wurde der Abschluss einer Verwaltungsvereinbarung zwischen beiden Bundesländern und die Erarbeitung des gemeinsamen Antrages auf UNESCO-Anerkennung unterzeichnet. 2021 ist mit der Anerkennung des Drömlings als UNESCO-Biospärenreservat zu rechnen.

Natur kennt eben keine Grenzen: Das länderübergreifende Biosphärenreservat (BR) Drömling soll eine Größe von 38.500 Hektar umfassen. Sachsen-Anhalts Anteil beträgt 34.000 Hektar und beinhaltet Gebiete der Einheitsgemeinden Stadt Klötze und Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel und Gebiete der Einheitsgemeinden der Stadt Oebisfelde-Weferlingen und der Stadt Haldensleben sowie der Gemeinde Calvörde in der Verbandsgemeinde Flechtingen im Landkreis Börde. Die Fläche in Niedersachsen umfasst 4.500 Hektar in den Landkreisen Gifhorn und Helmstedt sowie der Stadt Wolfsburg.

Als neue inhaltliche Qualität ist das Miteinander von Mensch und Natur, gemäß den UNESCO-Kriterien für Biosphärenreservate, explizit benannt. Über den Natur- und Landschaftsschutz hinaus sollen gemeinsam mit den im Drömling lebenden Menschen nachhaltige Nutzungen und regionale Wertschöpfungsketten in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen gefördert werden und die kulturelle Identität gestärkt werden. ­
www.biosphaerenreservat-droemling.de

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